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Kitesurfen lernen – Tipps vom Profi für den idealen Einstieg

Philipp Becker ist seit Jahren begeisterter Kitesurfer und Int. Communication und Team Manager bei North Kiteboarding. Bereits 2002 versuchte er sich mit dem Kitesurfen, damals noch mit „2-Leinern“ ohne Safetyfunktion. Neben seiner Funktion bei North Kiteboarding ist er auch immer wieder als Trainer bei Schulungen unterwegs und bringt Einsteiger erfolgreich auf´s Brett.

Kitesurfen lernen

Foto: North Kiteboarding© - Philipp Becker

Interview mit Philipp Becker von North Kiteboarding

Kitesurfen lernen erfreut sich immer höherer Beliebtheit und hat sich mittlerweile als Trend- und Funsport etabliert. Was macht den Sport so interessant?

Philipp: Ich würde sogar noch einen Schritt weitergehen und behaupten „Kitesurfen steht kurz davor sich dem Breitensport anzunähern.“ Gerade in Schulungen ist zu spüren, dass immer mehr Menschen ohne jegliche Vorprägung in Gleit- oder Flugsportarten sich an den Sport heran trauen und auch schnelle Lernergebnisse erzielen können. Egal welches Alter, Größe, Gewicht, sportliche Vorprägung, etc..

Das Interessante am Kitesurfen ist die Kombination vom Gleiten auf dem Wasser und das gleichzeitige Steuern des Flugdrachens, des Kites. Zusätzlichen Reiz verleiht die Tatsache, dass es eine Outdoor-Sportart ist und man sich voll und ganz auf das Spiel mit den Elementen konzentrieren muss. Alles Andere im Kopf verschwindet und man kann durch Konzentration und Anspannung völlig abschalten und entspannen. Einfach nur das freie Gleiten über das Wasser und die Möglichkeit hohe und weite Sprünge zu zelebrieren, machen diesen unvergleichlichen Sport aus. Kaum einer, der die ersten Meter auf dem Brett fährt, hört mit dem Kiten jemals wieder auf, sondern ist infiziert - sein Leben lang! Die Ziele, sich im Kiten zu verbessern, sind nach oben hin offen und es wird einem nie langweilig. Bei fast allen Kitespots spielt für viele Menschen natürlich auch das Eins sein mit der Natur und das Naturerlebnis eine große Rolle! Ich denke hier genauso an spiegelnde Bergseen wie an atemberaubende karibische Spots, wie aus der Bacardi Werbung.

Wie bist du zum Kiten gekommen?

Philipp: 2002 gab es noch nicht so viele Videos oder Berichte über das Kiten, aber ein Freund und ich wussten zumindest schon, dass es diesen neuen Sport gab und waren sofort davon besessen, es zu lernen. Wir waren beide Studenten, das Geld war natürlich immer knapp, doch zufällig gewann seine Tante einen Gutschein für einen Flug für Zwei nach Fuerteventura in einem Preisausschreiben und so machten wir unsere ersten Flug- und Abflugversuche. Unsere Kites waren damals 2 Leiner ohne Safetyfunktion und Depowermöglichkeit – aus heutiger Sicht viel zu gefährlich und unkomfortabel, um damit zu lernen. Auch uns erging es nicht viel besser, außer wenigen Metern auf dem Brett, blieben viel Schwimmen, viel am Strand Höhe laufen und zusätzlich viel Frust. Nachdem wir auch noch auf den bayrischen Seen unser Material zerstört hatten, kam noch ein dritter Freund mit gleicher Leidensgeschichte hinzu und wir buchten einen Flug nach El Gouna. Und siehe da, kaum passen die äußeren Bedingungen, gelang es uns allen Dreien innerhalb von einer Woche Höhe zu laufen und die ersten Hopser zu machen. Heute ist das Material zum Glück wesentlich sicherer und auch äußerst komfortabel.

Was würdest du einem Einsteiger raten, der Kitsurfen lernen möchte und was sind die typischen Anfängerfehler?

Philipp: Der gefährlichste Anfängerfehler ist zu versuchen, sich das Kiten selbst beizubringen. Egal welche Erfahrung, egal welches sportliches Talent, ein Kurs erspart viel Frust, bringt schnelle Lernerfolge und schützt vor allem vor Verletzungen. Ein weiterer Frustfaktor ist veraltetes oder defektes Material. Kitesurfen ist nach wie vor so jung, dass es in den letzten 5 Jahren immer wieder Quantensprünge in der Entwicklung gab. Gerade eine 100%ig funktionierende Safetyfunktion und eine vernünftige Depowermöglichkeit des Kites sind essentiell und können, sorry dass so drastisch zu formulieren, tatsächlich über Leben und Tod entscheiden. Viele Tests von Safetysystemen in Magazinen haben gezeigt, dass einige „Safetyfunktionen“, die den Namen noch nicht einmal verdienen sogar überhaupt nicht funktionieren. Hier sollte man sich gut informieren und ausschließlich zu renommierten und gut getesteten Produkten greifen.

Wie finde ich die richtige Kiteschule und worauf soll ich achten?

Philipp: Die meisten Kiteschulen in Deutschland sind Verbänden, wie z.B. dem VDWS oder dem VDS angeschlossen und bieten dementsprechend gute Schulungen, mit gut ausgebildeten Lehrern. Eine Schule sollte gepflegtes und nicht veraltetes Anfängermaterial zur Verfügung stellen können und auch verschiedene Kitegrößen, je nach Gewicht und Windstärken anbieten können. Hilfreich ist oft ein Stehrevier, um schnelle Lernerfolge sicherstellen zu können, selbstverständlich sollten sich in der näheren Umgebung der Schulungszone keine Hindernisse befinden. Generell ist eine abgetrennte Schulungszone von Vorteil, damit sich die Schüler voll und ganz auf sich und ihr Material konzentrieren können. Klar, dass es mehr Spaß macht, wenn die Crew auch noch freundlich und lustig ist und das Ambiente passt!

Woran erkenne ich, welche Ausrüstung ich beim Kitesurfen lernen benötige?

Philipp: Diese Frage ergibt sich eigentlich erst nach, bzw. während der Schulung und wie schnell man dort Erfolge erzielt. Ein erfahrener Trainer kann am Besten einschätzen, mit welchem Material man weiter üben sollte. Generell sollten die Kites zu Beginn Fehler verzeihend, nicht zu aggressiv und dennoch direkt im Lenkverhalten sein – am Besten auch in depowertem Zustand, der North Rebel ist die Benchmark in dieser Disziplin. Je nach Gewicht, Größe und erlerntem Fahrkönnen, können Boards von ca. 135cm bis 155cm empfohlen werden.

Woran erkenne ich eine gute Ausrüstung?

Philipp: Eine gute Ausrüstung erkennt man daran, dass sie zum persönlichen Fahrstil, den persönlichen Vorlieben und dem persönlichen Können passt. Qualitativ gibt es große Unterschiede im Flugverhalten und im Material der Kites. Hier empfiehlt es sich bei erfahrenen Kitern gut zu erkundigen und bei Testberichten auch mal zwischen den Zeilen zu lesen. Bei gebrauchtem Material sieht man Anhand der Farbe, der Dicke und an Rissen im Tuch schnell, wie gebraucht ein Schirm tatsächlich ist. Auch wenn es manchmal im ersten Moment teuer erscheint, neues Material zahlt sich in den meisten Fällen aus, da man nur hier sicher gehen kann wie oft, also nie, der Kite geflogen wurde und man vor allem auch eine Garantie für sein exklusives Sportgerät bekommt.

Gibt es günstige Einstiegsmodelle oder ist es besser sich seine Ausrüstung vor Ort zu leihen?

Philipp:
Es gibt günstige Einstiegsmodelle und Komplettpakete mit Kite, Board und Trapez, wobei auch hier auf Qualität geachtet werden muss. Wer sich noch nicht sicher ist, ob er den Sport tatsächlich nach einer Schulung für sich entdeckt hat, kann in den meisten Schulen auch Material leihen. Die meisten Schüler sind allerdings so begeistert, dass sich schnell eigenes Material besorgt wird.

Was ist beim Verleih wichtig und worauf sollte man achten?

Philipp:
Wie schon darauf hingewiesen, aber man kann es nicht oft genug sagen, die Safety muß 100%ig funktionieren, muss sich im Originalzustand befinden und darf nicht verbastelt sein. Wenn man sich nicht sicher ist, einfach vor Beginn einige Notauslösungen und das anschließende Zusammenbauen üben. Dies sollte auch Bestandteil jeder Schulung sein und der Bewegungsablauf einer Auslösung automatisiert werden. So klappt es in einer tatsächlichen Notsituation intuitiv. Das Schulungsmaterial sollte in einwandfreiem Zustand sein und dem Stand der Zeit entsprechen.

Welcher Kite ist für welches Level geeignet oder gibt es einen Universal- kite, der die meisten Optionen abdeckt?

Philipp: Je nach Fahrkönnen und persönlicher Neigung gibt es Freeride, New School, Wave oder Race Kites, teilweise werden diese einzelnen Bereiche auch anders benannt. Die Einsatzbereiche der jeweiligen Kites überschneiden sich meist sehr stark, so dass z.B. ein North Evo für Newschool, Wave und Freeride gleichermaßen gut geeignet ist, ein Freestyle Kite wie der North Vegas für z.B. unhooked Sprünge oder Loops aber noch besser geeignet ist und dem, dementsprechend anspruchsvollen, Freestyler noch mehr Spaß bringt. Heißt allerdings nicht, dass ein Vegas nicht auch in der Welle gut funktioniert. Was das Material angeht, gibt es viele verschiedene Vorlieben und hier scheiden sich auch oft die Geister, welches System, welcher Kite besser geeignet ist für bestimmte Nischen des Kitesports. Besonders oder vielleicht sogar ausschließlich an den windlosen Tagen, darf hier viel diskutiert und philosophiert werden!

Vielen Dank für das Interview

Coole Bilder zu Kitesurfen
Kites und Boards von Northkites

Autor: evivi Redaktion

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